Medien-Projekt-Kopfleiste

Mainstream für den Mainstream - dank Suchmaschinen

Irgendwie müssen wir ja an Informationen herankommen. Suchmaschinen halten einen unglaublich großen Index bereit, der mit deren Hilfe durchsucht werden kann. Das alles hört sich schön und gut an – nur leider gibt es da ein paar nicht gerade unwichtige Probleme. Trotzdem werden wir immer abhängiger von Suchmaschinen.

Die Finger flitzen über die Tastatur: “Steuersenkung“ und Leertaste. Das erste Wort erscheint, doch der Schreiber hält inne und schiebt ein Werbefenster zur Seite. Er tippt weiter, bis sich schließlich im Textfeld „Steuersenkung Unternehmen 2008“ im Textfeld der Suchmaschine befindet. Enter. Ein kurzer Moment und die Ergebnisse erscheinen. Handelsblatt, Manager-Magazin und Netzzeitung – alles bekannte Seiten die dort auftauchen. Doch wie kommen eigentlich die Ergebnisse zu Stande? Wieso erscheint das Manager Magazin noch vor der Netzzeitung?

Google, Yahoo und andere Suchmaschinen ordnen die Ergebnisse nach Popularität. Das heißt im Internet konkret, wenn eine Seite oft verlinkt wurde, erscheint diese weit oben während eine Seite auf die kaum ein Link verweist relativ weit unten erscheinen wird. Natürlich gibt es noch einige andere Faktoren, wie die Ergebnisse zu Stande kommen. So müssen die Seiten natürlich in einem gewissen Maß mit dem/den Suchbegriff(en) verwandt sein. Ansonsten wäre eine Suchmaschine auch ziemlich sinnlos.

Das Problem ist nun folgendes: Seiten die recht gut in den Suchmaschinen platziert sind, werden natürlich häufiger genutzt, denn kaum jemand wird sich bis zur letzten Seite der Suchergebnisse durch klicken. Obwohl die Platzierung einer Seite natürlich nichts über die inhaltliche Qualität aussagen kann. Angenommen eine Seite die recht unbekannt ist wird nicht häufig verlinkt. Diese verbleibt dann meist bei den unteren Plätzen, während eine Seite, die ohnehin schon recht gut platziert ist noch öfter verlinkt wird. Dadurch wird der „Linkabstand“ immer größer. Das heißt mit anderen Worten, der Mainstream bekommt nur noch Mainstream geliefert. So einfach ist das.

Google Suchanfragen können auch mobil gestellt werden. Foto: Pixelio, "Dance-Photos"

Zeitschriften wie dem „Stern“, der „Welt“ oder „Tagesschau“ kommt das zugute. Diese werden durch ihre ohnehin schon große Bekanntheit noch bekannter und beliebter. Für die entsprechenden Webseiten sind Suchmaschinen eine Art kostenlose Werbung. Nicht dass man dies zu würdigen wüsste, nein beim Stern beschwert man sich darüber, dass durch die für Suchmaschinen optimierten Überschriften kaum noch journalistische Freiheiten hätte. ¹

Doch das Blatt kann sich auch schnell wenden. Denn auch diese populären Seiten hängen am Tropf von Google. Kaum ein Besucher kommt direkt über die Eingabe der URL auf eine Seite, sondern meist ist Google (oder manchmal auch noch Yahoo) die Einstiegsseite ins Netz die den Surfer dann zu den entsprechenden Seiten weiterleitet. Wenn Google also sich entscheidet die Seiten von Spiegel, Stern oder anderen bekannten Zeitungen aus dem Suchindex auszuschließen, dann werden diese Seiten mit ernsthaften Problemen zu kämpfen haben. Denn weniger Besucher bedeuten im Web meist auch weniger Werbeeinnahmen.

¹Überschriften für Suchmaschinen - aus dem "Spiegel"

"Man kann ohne Angst vor Übertreibung von einer »Generation Google« sprechen, deren Umgang mit Wissen und Information nachhaltig von der Suchmaschine beeinflusst wird… Für die heutigen Teenager sind die runden Lettern der Suchmaschine zur kulturellen Ikone geworden, ein digitales delphisches Orakel." - Malte Herwig

"Alle Google-Nutzer wissen, dass bei der […] Fülle von Ergebnissen die Hierarchisierung des Angebotes eine zentrale Rolle spielt. So zahlreich die gefundenen Seiten auch sein mögen, der Kunde sieht sich doch nur die an, die ganz oben auf der Trefferliste stehen. Nach demselben Prinzip arbeiten die großen Supermärkte bei der Präsentation ihrer Waren, beispielsweise in der Sichtzone des Regals. Ihre Position im Regal weist auf ihre relative Bedeutung hin." - Jean-Noël Jeanneney

"Wenn ich zu entscheiden hätte, ob wir eine Regierung ohne Zeitungen oder Zeitungen ohne eine Regierung haben sollten, würde ich ohne Zögern das letztere vorziehen." - Hans-Dietrich Genscher

Medien, Medien - überall nur Medien
Literaturprojekt 2007/2008 von G.Goßmann und F.Wackermann